Bestimmt
spielen Sie dieses Spiel oder haben es schon mal in ihren Beziehungen gespielt.
Der eine Partner spielt den Ritter und der andere spielt die Burg. Der Ritter
will die Burg erobern, wohingegen die Burg sich mit allen Mitteln zu schützen
versucht. Natürlich macht die Burg das Tor ein bisschen auf, damit der
Ritter motiviert wird und motiviert bleibt, sie zu erobern. Kurz bevor der Ritter
eindringen kann, schlägt die Tür zu und das Spiel fängt von Neuem
an. Irgendwann kommt der „point of no return“, an dem der Ritter
tatsächlich die Burg erobert hat. Jetzt ist das Spiel “eigentlich“
zu Ende. Traurigerweise drehen wir jedoch meistens an dieser Stelle das Spiel
um, der Ritter wird Burg und umgekehrt wird die Burg zum Ritter. Der eine Partner
hört auf zu werben oder/und sich zu kümmern, darauf hin fängt
der andere Partner an, zu werben und sich zu kümmern. Wie Sie wissen, ein
Spiel ohne Ende mit viel Leid und Verletzungen.
Es
ist kein großes Kunststück, mich mit jemand zu verstehen, der das Gleiche will
wie ich – höchstens auf die Dauer langweilig. Spannend wird es erst, wenn wir
uns, sprichwörtlich, aus-ein-ander-setzen wollen, nicht nur wenn wir müssen.
Beziehungen und sicherlich Liebesbeziehungen leben durch die Andersartigkeit.
Stellen Sie sich einmal vor, dass Ihr Partner genauso ist und denkt wie Sie.
Möchten Sie mit Ihresgleichen leben? Wir wollen alle einzigartig sein, jemand
Besonderes. seltsamerweise ist es das Bestreben vieler Paare, sich trotzdem
aneinander anzupassen. Wen wundert es dann, wenn ich für meinen Partner und
mein Partner für mich nicht mehr besonders ist. In den wenigsten Fällen zeigen
wir es einander – meistens zeigen wir es einander nicht mehr. Erst wenn wir
in unserer Haltung gleich-gültig sind, d.h. dass für beide das gleiche gilt,
das gleiche Recht, müssen wir nicht mehr gleichberechtigt sein. Gleichberechtigt
sein bedeutet, dass wir uns das Recht, das wir “eigentlich“ schon haben, gegenseitig
zu-, aber auch wieder absprechen können (außer gesetzlich geregelten Rechten).
Wer gleichberechtigt sein will, macht sich von anderen abhängig! Erst durch
eine gleichgültige Grundhaltung kann sich gleich-wertiges Verhalten entwickeln.
Wie
oft sind wir hoch und heilig davon überzeugt, dass der andere schuld an
unserem Gefühl ist und das eher im Negativen, als im Positiven. Wie oft
warten wir darauf, dass der andere sich dann entschuldigt, es wieder gut macht?
(Manchmal können wir lange warten.) Und wie oft passiert das immer wieder?
Wir fühlen uns dann klein und hilflos, werden wütend etc..
Wenn wir lernen und einüben, dass das, was der andere sagt oder tut nur
der Auslöser für unsere Gefühle ist, nicht aber die Ursache,
bekommen wir die Möglichkeit, unser Gefühl selbst wieder in den Griff
zu kriegen. So gelingt es uns schneller, uns wenigstens besser oder wieder gut
zu fühlen. Was nicht heißt, dem anderen z.B. zu sagen, „ich
möchte nicht, dass Du mich so anschreist“. Ganz etwas anderes als
„Du hast mich gedemütigt, klein gemacht“. Für das erstere
ist er verantwortlich, für das letztere ist er nur der Auslöser oder
– anders gesagt – der Anlass.
Niemand verpflichtet uns “nass zu werden“, uns gedemütigt zu
fühlen. Trotzdem müssen wir uns nicht anschreien lassen!
Wer glaubt, dass man es einfach nicht kann, weil man unbegabt ist, kann genauso
gut an den Weihnachtsmann glauben.
Erstaunlicherweise können sogar stark zerstrittene Paare lernen, miteinander
so zu reden, dass Ihre Liebe wieder alltagstauglich wird.